Rheinische Post
Moers, 27.11.2007

Moers: Das Konzert des Moerser Kammerchores und des Neuen Rheinischen Kammerorchesters Köln in der evangelischen Stadtkirche begeisterte das Publikum mit Werken von Mendelssohn und Rutter.

Unter dem Titel „Lobgesang“ stellte der Moerser Kammerchor in einem chorsinfonischen Konzert John Rutters „Magnificat“ und Felix Mendelssohn Bartholdys „Lobgesang-Sinfonie“ einander gegenüber: eine spannende musikalische Begegnung, höchst konzentriert und mit beflügeltendem Schwung interpretiert. Um den Chorsängern in den Instrumentalsätzen der Mendelssohn-Sinfonie genügend Raum für eine stimmliche Pause zu bieten, stand das zeitgenössische Werk am Beginn des Konzerts, was in der Konzertpraxis zwar eher ungewöhnlich ist, hier aber den Spannungsbogen eher noch verstärkte.

Der 1945 in London geborene John Rutter wuchs in der englischen Chortradition auf, durch seine Tätigkeit als Direktor am Clare College in Cambridge ist sein kichenmusikalisches Schaffen praxisorientiert und für jeden verständlich. Dadurch ergibt sich in seiner Musik ein ansprechender Mischstil aus traditioneller europäischer Kirchenmusik mit klanglicher Sinnlichkeit, lyrischer Melodik und einem leichten Beiklang aus Gospel und Jazz – eine Kombination, die Chorsänger in aller Welt begeistert.

Voll und ganz hingegeben
Auch der Moerser Kammerchor zeigte sich dem Rutterschen Tonfall voll und ganz hingegeben und pries die Größe des Herrn aus vollen Lungen und mit herrlicher Energie im gefühlvollen Wettstreit mit Solo-Sopran (Nadja Knop) und Orchester. Seit Jahren arbeitet der traditionsreiche Chor mit dem Neuen Rheinischen Kammerorchester Köln zusammen, und auch bei der Besetzung der Solisten greift Chorleiter Klaus-Peter Pfeifer gern auf bewährte Stimmen zurück. Eine Konsequenz, die sich auch diesmal bestens bewährte, wie sich insbesondere in den drei ersten Sätzen der Mendelssohn-Sinfonie zeigte.

Unter Pfeifers straffem und sehr präzisem Dirigat spielte das Kammerorchester mit strahlender Virtuosität, in deutlicher Beethoven-Nähe und mit einem sicheren Gefühl für die inneren Proportionen der Musik. Daran schloss sich im Finale der auf grandiose Effekte zielende Gesang des Chors und der drei unprätentiös und bestens aufeinander abgestimmten Solisten Nadja Knop/Sopran, Oxana Polyakova/Mezzospran und Wilhelm Adam/Tenor an – stimmgewaltig, klar und bei allem Interpretationsehrgeiz stets im Geist von Mendelssohns Genius. Als der grandiose Schlusschor „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn…“ verklungen war, hielt es viele Zuhörer in der vollbesetzten Stadtkirche nicht mehr auf ihren Sitzen. Stehende Ovationen und frenetischer Applaus: der „Lobgesang“ des Publikums auf den Moerser Kammerchor.

 

Von Petra Riederer-Sitte